Hallo und herzlich willkommen beim Stallreport. Heute erfahren wir, wie das so ist, wenn Pferde im Gewächshaus schlafen, denn dieses Mal berichten wir aus einer ehemaligen Gärtnerei!

Wir dürfen bei Stef zu Gast sein, sie ist Reittherapeutin und nimmt uns mit auf ihren Hof in Leipzig. Sie hat die selben Fragen beantwortet wie die vorherigen Interview-Partner (mittlerweile sind es schon 4! Hier kommt ihr zum Stallreport von letzter Woche.), lehnt euch zurück und lasst euch unterhalten.

PS: Am Ende des Artikels findest du weitere Fotos.
Wie viele Pferde hast du und magst du sie kurz vorstellen?

Bei mir leben meine 3 Pferde:
Mira, mein erstes Pferd, eine nun 22-jährige Friesenstute. Dann
Benni, ein Norweger mit geschätzten 20 + Jahren, zusammen mit
Plums, einem knapp 10-jährigen Schwarzwälder Fuchs.

Alle arbeiten als großartige Therapiepferde. 

Wo befindet sich dein Stall? Direkt am Haus oder hast du eine Anfahrt vor dir?

Der Stall befindet sich mitten in der schönen Stadt Leipzig. Noch muss ich eine Anfahrt in Kauf nehmen. Aber es besteht der Plan, aufs Gelände zu ziehen.

Wie alt bist du? Seit wann hältst du deine Pferde in Eigenregie?

Ich bin 41 und halte meine Pferde seit 8 Jahren, anfangs in Haltergemeinschaften, jetzt auf dem eigenen Hof in Eigenregie. 

Ist dein Stall dein Eigentum oder gepachtet?

Das Gelände ist (noch) gepachtet.

Wie viel Zeit nimmt das Ganze in Anspruch, hast du eine tägliche Routine?

Der tägliche Stalldienst beträgt vom Zeitaufwand ca. 2 – 3 Stunden pro Tag. Je nach Wetter. Allerdings kommt ja immer noch das Ein oder Andere hinzu. 

Eine Routine gibt es. Alle Arbeiten sind in Blöcke gegliedert und können so auch in Teilen weiter gegeben werden. Ich feile gern an den Arbeitsabläufen, um sie möglichst zeitsparend und leicht zu gestalten. 

Machst du das alles alleine oder hast du Unterstützung? Wer hilft dir, wenn du krank bist?

Ich habe Unterstützung von meiner Familie, vor allem von meiner Schwester. Zudem übernehmen die Besitzer der Pferde, die bei mir stehen, Stalldienste. Außerdem habe ich verschiedene Freunde, die soweit eingewiesen sind, dass sie im Notfall einspringen können.

Gehst du in den Urlaub?

Na eine Woche ab und an schaffe ich. Auch und vor allem wegen meiner Kinder. Das muss allerdings immer gut geplant werden.

Wie lagerst und entsorgst du deinen Mist?

Dieser wird regelmäßig von einem, in der Nähe ansässigen, landwirtschaftlichen Betrieb abgeholt. Auch viele Kleingärtner kommen zum Abholen. Er enthält kein Stroh und wird gerne verwendet.

Wo bekommst du dein Heu her und wie lagerst du es?

Das Heu kaufe ich komplett zu. Der Betrieb befindet sich im Leipziger Umland und beliefert mich zuverlässig seit Jahren. Zum Lagern habe ich zum Glück verschiedene Gebäude auf dem Gelände.

Wie viele Weiden hast du und sind die direkt am Stall?

Die Weiden befinden sich auf dem Gelände und schließen direkt an die Paddocks an. Das Gelände ist insgesamt 2 Hektar groß.

Welche Art von Stall hast du (Boxen, Offenstall,…) und würdest du das wieder so machen?

Es ist ein Offenstall mit zum Teil angrenzenden Trails. 

3 Pferde leben im „ad-libitum-Bereich“ (3000 qm Paddock mit 200 qm Unterstand, Koppeln). 

2 Pferde leben im „Diät-Bereich“ mit zeitgesteuerter Fütterung (2000 qm Paddock, 150 qm Unterstand, Trail).

Ja, auf jeden Fall würde ich es immer wieder so machen! Nur so kann ich in meinen Augen den Pferden ein annähernd artgerechtes Leben bieten. Es gibt immer Ausnahmen für bestimmte Pferde – dogmatisch sein ist nie gut. Aber ein gesundes Pferd – als Herden- und Lauftier – gehört für mich in eine gute Herde mit ausreichend Bewegung und Platzangebot.

Hast du neu gebaut oder umgebaut?

Umgebaut. Das Gelände war eine Gärtnerei. Jetzt wohnen die Pferde im großen Gewächshaus.

Wie hast du deine Weiden eingezäunt und wie oft muss man mit Reparaturen rechnen?

Verschieden. Pfosten diverser Art mit Seil. Zum Teil mit Holzzaun. 

Die Pferde machen dauernd etwas kaputt und die Wartung und Pflege ist schon aufwändig. Zum Glück ist aber das komplette Grundstück fest eingezäunt.

Hast du einen Reitplatz oder eine andere Trainingsmöglichkeit?

Ich habe einen kleinen Reitplatz und einen Roundpen.

Hast du einen Einsteller oder würdest du jemanden nehmen?

Ich habe im Moment zwei andere Pferde auf dem Hof. Meine beiden Wallache leben auf Diät und meine alte Stute brauchte gleichaltrige Herdenmitglieder. So passt es perfekt.

Natürlich interessiert viele Leser das Finanzielle. Kannst du grob sagen, was dein Stall gekostet hat und was dich der Unterhalt im Monat durchschnittlich kostet?

Zu viel… so geht es uns sicher allen. Ich kann nicht wirklich sagen, wie viel alles schon gekostet hat. Die monatlichen Kosten sind auf jeden Fall vierstellig.

Wie oft kommst du zum Reiten/Trainieren?

Selten. Wenn nicht gerade Lockdown ist, sind meine Pferde als Therapiepferde im Einsatz und dadurch gut ausgelastet. Ich leiste dann eher den Ausgleich.

Bereust du es, deine Pferde selbst zu halten?

Nein. Noch nie und an keinem einzigen Tag! Das kann ich wirklich so sagen. Klar gibt es immer wieder neue Herausforderungen. Aber bisher gab es immer eine Lösung. Es ist einfach eine große Freiheit, selbst entscheiden zu können und alles individuell an jedes Pferd anzupassen.

Was würdest du jemandem sagen, der vor der Entscheidung steht, die Pferde selbst zu versorgen?

Man sollte, bevor man diese Entscheidung trifft, ehrlich zu sich selbst sein: Schaffe ich das jeden Tag, bei jedem Wetter? Auch wenn es mal stressig ist, ich nicht ganz fit bin?

Hab ich Menschen im Hintergrund, die mich unterstützen?

Habe ich alle nötigen Qualifikationen und Genehmigungen?

Ich finde es auch wichtig, lösungsorientiert denken zu können und nicht zwei komplett linke Hände zu haben, das hilft sicher auch. Geduld sollte man auf jeden Fall haben – es dauert, bis alles fertig ist. Es geht auch nicht immer alles sofort.  

Dann ist es großartig, erfüllend und für mich die beste Möglichkeit, meinen Ponys ein schönes Leben zu bereiten. 

Es ist ein so schönes Gefühl, wenn man wieder ein Projekt geschafft hat und der Traum vom eigenen Pferdeparadies Gestalt annimmt. 

Ein herzliches Dankeschön an Stef für diesen Einblick in ihr „Stall-Leben“!
Wer jetzt Lust bekommen hat, Stef und ihre Pferde weiter zu verfolgen, dem darf ich ihren Account bei Instagram empfehlen. Ihr findet sie unter: http://www.instagram.com/therapie_und_reitgarten_thekla.

Wenn du auch einen eigenen Stall führst und Lust auf das Interview hast, zögere nicht, mir eine Nachricht zu schicken.

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3 Kommentare zu “Stallreport: Von Pferden, die im Gewächshaus schlafen”

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