Hallo und herzlich willkommen beim Stall-Report. Hier geht es (ausnahmsweise) mal nicht um mich und meine Pferde, sondern um euch! Beziehungsweise eine/n von euch, eine/n von uns.

Wir – das sind in diesem Fall all jene, die Pferde in Eigenregie halten. Sei es nun hinter dem eigenen Haus oder auf gepachtetem Grund.

Ich habe schon immer gerne geschaut, wie andere „das“ machen: Welche Haltung wurde wo und wie realisiert, auf welche Erkenntnisse kommt man erst, wenn man es tatsächlich selbst ausprobiert hat, wo sind typische Stolpersteine versteckt und – ganz wichtig – wie ist denn das Leben so, wenn man es mit Pferden teilt?

Am Ende nimmt man sich das Beste aus allen Welten für sich mit. Oder lässt sich einfach nur unterhalten. In der Kategorie „Stall-Report“ bleiben die gestellten Fragen gleich, die Interview-Partner wechseln.

Heute dürfen wir zu Gast sein bei Mona in ihrem Lightstone Stable.

Lightstone Stable
PS: Am Ende des Artikels findest du weitere Fotos.
Wie viele Pferde hast du und magst du sie kurz vorstellen?

Ich habe ein Pony und ein Pferd.
Meine Stute Amy – ihr richtiger Name (Achtung: kitschig) ist Twinklys Amy Sue. Ich begleite ihr Leben nun schon seit sie ein halbes Jahr alt ist und mittlerweile sind wir ein richtig gutes Team geworden. Sie hat einen ziemlich eigensinnigen, aber treuen Charakter. Ihre Mutter war ein Kaltblut, ihr Vater ein Pinto. Durch sie fing das ganze Tohuwabohu mit dem Offenstall an, ein Leben in der Box könnte ich mir für sie nicht vorstellen.
Felix ist das 15-jährige Mini-Shetty und der kleine Sonnenschein bei uns. Aber Achtung: er hat es faustdick hinter den Ohren.

Wo befindet sich dein Stall? Direkt am Haus oder hast du eine Anfahrt vor dir?

Der Stall befindet sich direkt hinter dem Haus und grenzt an dieses durch eine Scheune verbunden an.

Wie alt bist du? Seit wann hältst du deine Pferde in Eigenregie?

Ich bin 29. (eine Pferdeinstaomi)
Seit 2017 halte ich meine Ponys in Eigenregie.

Ist dein Stall dein Eigentum oder gepachtet?

Der Stall ist Eigentum meines Freundes und seinen Eltern. Also muss ich immer schön lieb sein, sonst habe ich ein Problem.

Wie viel Zeit nimmt das Ganze in Anspruch, hast du eine tägliche Routine?

Das kommt ganz drauf an: Wenn’s schnell gehen muss, habe ich meinen durch-getakteten Plan. Da bin ich auch mal in einer halben Stunde fertig mit Füttern, Misten, Sauber-machen. Aber manchmal fällt mir dies und das noch ein und am Wochenende verbringe ich dann manchmal echt den halben Tag am Stall und mein Freund fragt mich dann immer, ob ich nicht endlich mal reinkommen will.

Wenn ich arbeite, sieht meine Routine so aus, dass ich abends miste, Heunetze fülle und für den nächsten Tag vorbereite und bei Gelegenheit (je nach Jahreszeit) dann noch reite oder etwas anderes mit den Ponys mache. Morgens vor der Arbeit (7:30) füttere ich die Ponys dann nur.

Machst du das alles alleine oder hast du Unterstützung? Wer hilft dir, wenn du krank bist?

Alleine alles bewältigen, das wäre echt hart, vor allem, wenn es um Zaunbau oder Stallrenovierungen geht. Bei so etwas hilft mir Tim, mein Papa oder sein Papa. Wobei unsere Papas die Handwerker sind und Tim mir bei allem assistiert, wo ich mal grad so zwischendurch Hilfe brauche. Außerdem fährt er (ich glaube einmal im Monat) den Mist weg. Da bin ich auch echt dankbar.

Mittags, wenn ich an der Arbeit bin, füttert Tims Papa oder Tim die Ponys. Da habe ich dann immer einen Heu-Eimer vorbereitet. Außerdem kümmern die beiden sich um die Wasserversorgung und machen mir die Mistkarre leer.

Wenn ich krank wäre, was ich fast nie bin, helfen die beiden mir auch. Ich habe aber auch noch eine Freundin, die z.B. letztes Jahr, als unsere Family auf einer Hochzeit war, die Ponys gefüttert hat. Ja, Hilfe kann man immer gebrauchen, wenn man Pferde hat.

Gehst du in den Urlaub?

Ja. Nur dieses Jahr sind wir bis jetzt noch nirgends gewesen. Aufgrund von Corona und Renovierung.

Aber ist nicht so schlimm, ich bin sowieso ein totales Heimwehkind und nach 5 Tagen will ich meistens immer schon nach Hause, egal wie schön es irgendwo ist. Letztes Jahr waren wir im Herbst auf Madeira. An die Ostsee fahren wir auch manchmal, weil Tims Eltern da einen festen Wohnwagen haben. Wenn wir im Urlaub sind, kümmert sich Tims Papa um die Ponys.

Wie lagerst und entsorgst du deinen Mist?

Irgendwie hatte ich Glück und der Freund, den ich vor über 4 Jahren kennen gelernt habe, hat einen alten, leer stehenden Bauernhof. Dort findet sich so ziemlich alles, was man so als Pferdebesitzer braucht. Von einer Mistgabel bis zum Mist-Streuer.

Wir fahren unseren Mist auf unseren Mistreuer und Tim fährt diesen dann einmal im Monat zum benachbarten Bauer, von dem wir auch unser Heu bekommen. Alles ein Kreislauf des Lebens.

Wie viele Weiden hast du und sind die direkt am Stall?

Bis jetzt habe ich nur eine kleine Miniwiese (ca. 1500 qm) direkt am Stall. Wir haben aber das Feld hinter dem Stall angesät und hoffen darauf, in Zukunft ungefährt 10 mal mehr Wiese zu haben.

Eine Wiese abseits des Ortes irgendwo in der Wallachei würde für mich nie wieder in Frage kommen. Das hatte ich bereits einmal mit Amy. Für mich ist es wichtig, dass die Ponys immer im Reichweite sind und einen Unterstand haben. Sommer oder Winter.

Welche Art von Stall hast du (Boxen, Offenstall,…) und würdest du das wieder so machen?

Wir haben einen Offenstall mit angrenzendem Paddock (ich glaube der befestigte Bereich mit Platten und Sand sind so um die 200 qm). UND JA, ich liebe Offenställe. Mein Traum ist noch ein kleiner Trail um die Wiese, mal schauen…

Hast du neu gebaut oder umgebaut?

Umgebaut. Der Unterstand, in dem die Ponys ihren Stall haben, war früher ein Stellplatz für landwirtschaftliche Geräte. Tims Papa hat eine Trennwand reingebaut. So habe ich jetzt ungefähr 1/3 Unterstand für die Ponys, 1/3 für Heu und Stroh und der Rest für meine Mist-Utensilien und meine kleine Sattelkammer.

Wie hast du deine Weiden eingezäunt und wie oft muss man mit Reparaturen rechnen?

Den Paddock habe ich komplett mit Rancher-Holzdielen eingezäunt in dreifacher Ausführung.

Sicher ist sicher..wer ein Minishetty hat, weiß, wovon ich spreche.

Wir wohnen direkt am Feld und hier ist es teilweise sehr stürmisch. Ich konnte früher immer kaum schlafen, weil ich Angst hatte, die Pfähle fliegen weg.

Seit wir den festen Zaun haben, bin ich beruhigter und auch Felix kommt da nicht mehr durch.

Die Wiese habe ich mit ganz normalen Kunststoffpfählen eingezäunt. Wenn unsere angesäte Wiese dann irgendwann fertig ist, möchte ich einmal außen gerne mit runden Recyclingpfählen und breitem Zaunband einzäunen.

Hast du einen Reitplatz oder eine andere Trainingsmöglichkeit?

Sehr schwierig hier bei uns im Ort. Es gibt weder einen Reitplatz noch eine Reithalle.

Wir nutzen zu Hause machmal unser Sandpaddock für Boden/Freiarbeit. Man kann da auch Schritt und Trab reiten aber so richtig trainieren, kann man darauf nicht. Dafür gehen wir manchmal ins Feld.

Für den Winter haben wir eine kleine Scheune. Dort habe ich letztes Jahr viel Bodenarbeit gemacht und man kann wunderbar an der Biegung arbeiten, weil sich drei Balken in der Mitte befinden.

Aber um so richtig an der Galopparbeit zu üben, fehlt uns leider das passende Plätzchen. (MAN KANN JA NICHT ALLES HABEN.)

Hast du einen Einsteller oder würdest du jemanden nehmen?

Momentan nein. Ich muss ganz ehrlich sagen, ich genieße es, unabhängig zu sein und „mein eigenes Ding zu machen“. Für die Ponys wäre es zwar schon gut, wenn sie andere Pferde hätten, mit denen sie spielen, sich austoben oder kommunizieren könnten, aber dann müsste wirklich alles passen. Was Paddock-Pflege (abäpfeln usw.) betrifft, bin ich nämlich schon penibel, da wird manchmal jeder Köttel einzeln aufgesammelt. Andere Sachen, wie Sattelpflege, Putzbox sauber machen usw. lasse ich gerne mal links liegen. Da siehts bei mir manchmal aus wie bei Hotten Totten

Naja mal sehen, vielleicht im Sommer die Ponys mit anderen zusammen stellen, das wäre ja auch schon was.

Natürlich interessiert viele Leser das Finanzielle. Kannst du grob sagen, was dein Stall gekostet hat und was dich der Unterhalt im Monat durchschnittlich kostet?

Puh, gute Frage! Ich glaube, für den Zaun, die Paddockplatten, die Boxenmatten und den Sand habe ich so, keine Ahnung, 2.000 € bezahlt? Ich weiß es gar nicht mehr. Der Unterhalt im Monat…das ist auch eine gute Frage, sagen wir mal so 60 l Wasser am Tag. Heu und Stroh kaufe ich so 1-2 mal im Jahr, dazu kommt noch Müsli und Mineralfutter. Ich würde mal so grob schätzen, 100 € im Monat für beide Ponys.

Wie oft kommst du zum Reiten/Trainieren?

Das ist ganz unterschiedlich. Da ich immer von 8-17 Uhr arbeite, komme ich im Sommer natürlich viel öfter zum reiten, als im Winter.

Im Winter (zumindest letzten) habe ich versucht, wenigstens einmal unter der Woche, die Ponys etwas in der Scheune zu bewegen.

Im Sommer mache ich geschätzt so 4-5 x die Woche was mit den Ponys, es sei denn es ist so heiß. Manchmal bin ich aber auch einfach so platt nach der Arbeit und dann gibt es einfach nur eine Kuscheleinheit. Ich bin nicht der Typ Mensch, der einen strikten Trainingsplan hat. Wir entscheiden immer nach Lust und Laune.

Bereust du es, deine Pferde selbst zu halten?

Nein. Es ist zwar viel Arbeit und Zeit, die drauf geht, aber wo würde ich sie lieber verbringen? Ich mache gerne Stallarbeit. Mal im Ernst, hätten wir die Pferde nicht, würden wir an manchen Tagen gar nicht aus dem Nest kommen. Durch die Pferde verschläft man nicht den ganzen Tag. Sie halten einen fit, stärken das Immunsystem.

Aber sie machen einen auch glücklich. Wie einsam und leer wäre dieser große Hof hier, wenn die beiden nicht wären?

Was würdest du jemandem sagen, der vor der Entscheidung steht, die Pferde selbst zu versorgen?

Diese Entscheidung muss gut durchdacht sein! Man muss einen starken Willen haben und sich im Klaren sein, dass es keine Vollpension ist und man bei Wind und Wetter raus muss. Man muss alles sehr gut managen und immer einen Plan B haben, wenn man z.B. krank oder verhindert ist. Gleichzeitig würde ich aber auch sagen, dass es nichts Schöneres gibt, als seine Ponys direkt zu Hause zu haben.

Ein herzliches Dankeschön an Mona für diesen Einblick in ihr „Stall-Leben“!
Wer jetzt Lust bekommen hat, Mona, Amy und Felix weiter zu verfolgen, dem darf ich ihren Account bei Instagram empfehlen. Ihr findet sie unter: http://www.instagram.com/lightstone_stable.

Wenn du auch einen eigenen Stall führst und Lust auf das Interview hast, zögere nicht, mir eine Nachricht zu schicken.

Pferdehaltung in Eigenregie
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3 Kommentare zu “Stall-Report: Lightstone Stable”

  1. Total interessant und schön zu lesen!
    Ich finde es auch toll sich gegenseitig zu unterstützen. Das ist nicht selbst verständlich.
    Ich freue mich über weitere Interviews 🙂

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