Kurgestuetler

Nach einer Woche, einer endlos lang erscheinenden, zermürbenden Woche daheim stand also der erste Besuch beim Kurgestütler an – und der Kurgestütler war mein erstes eigenes Pferd! Wie unwirklich sich das doch anfühlte, als wäre ich immer noch in irgendeinem Wunschtraum gefangen und würde einfach nicht mehr richtig wach werden. Warum ich ihn erst nach einer ganzen Woche besuchte? Und warum ich überhaupt von einem „Besuch“ spreche, wenn es doch mein eigenes Pferd ist?

Kuri

Nun ja, des Rätsels Lösung lässt sich doch relativ simpel erläutern: Zum Einen hatte ich mich ja für einen Jährling entschieden. Einen Jährling sperrt man nicht irgendwo in eine Box und wartet ab, bis er zugeritten werden kann. Nein! Und zum Anderen trainiert man mit einem so jungen Pferd auch noch nicht gleich beim ersten Mal, sodass es sich wirklich nur um einen Besuch bei ihm handelte. Feststand ja vor dem Kauf, dass der Kleine auf eine Fohlenkoppel kommt, eine Aufzuchtherde, einen Jährlingsstall (aber keinesfalls einen Stall im wahrsten Sinne des Wortes!) oder etwas Ähnliches. Zudem sollte klar sein, dass der junge Mann – wie sagt man so schön – weiterhin so „robust“ aufwachsen soll wie bisher, also am besten hauptsächlich im Freien und natürlich mit mehreren Gleichaltrigen.

Fohlenkoppel

Generell hört man verschiedene Spekulationen von Pferdeprofis, was für ein Jungpferd das Beste sei. Und zwar muss es Gleichaltrige geben, natürlich zum Spielen, Kräftemessen und Austoben. Und es muss einen älteren Wallach geben, weil der einfach aufgrund seiner fehlenden Prachtstücke nicht mehr so die Dominanz an den Tag legt, aber dennoch die jungen Kerle zur Vernunft ruft, wann immer es angebracht ist. Zudem sei es unabdingbar, dass die Aufzucht in ihren Ausläufen unterschiedliche Bodenbeschaffenheiten aufweisen kann, zum Beispiel einmal Sand, dann Waldboden, dann wiederum Steine, immer gut auch gepflasterte Bereiche, damit sich die Hufe und die Gelenke der Jungspunde entsprechend perfekt entwickeln können. Aber wer will schon Perfektion – zumal: Man kann ja nicht immer alles haben! Ich weiß nicht, ob ich einen solchen Aufzuchtplatz gefunden hätte, wenn ich länger und intensiver gesucht hätte. Er wäre sicherlich auch weiter weg gewesen, denn in meiner unmittelbaren Nähe war so etwas nicht zu finden. Um genau zu sein, war gar nichts dem auch nur annähernd Ähnliches in meiner Umgebung zu finden gewesen. Also hat sich das Ganze letztendlich so dargestellt: Es war weit weg. Es gab einen etwa gleichaltrigen Junghengst. Es gab einen „älteren“ Hengst. Und sie wurden robust gehalten. Es war also nicht nur so, dass sie im Sommer keinen Unterstand hatten (außer Bäumen, was ja teilweise durchaus auch als Unterstand durchgeht, aber leider nicht wirklich vor Fliegen und ähnlichen Belästigungen schützt). Der Unterstand im Winter war eigentlich auch nicht zu gebrauchen (dieser Bericht folgt dann irgendwann) und auch die Einzäunung war äußerst robust. Ich war allerdings hinterher mit dem Wissen gesegnet, dass mein Kurgestütler ziemlich zaunsicher war und ich mir keine Sorgen machen musste, dass der aus den von mir gebauten Zäunen jemals ausbrechen würde (auch zu dieser Geschichte kommen wir eines Tages hier auf diesem Blog noch). Ich ließ mich also vom kreativen Zaunbau vor Ort nicht weiter beirren und betrat die Junghengst-Koppel.

Jungpferdeaufzucht

Obwohl mir ja von Anfang bewusst war, dass ich mir mit Obi ein kleines Wildpferd zugelegt hatte, war ich doch etwas enttäuscht, dass er sich dann so gar nicht für mich interessierte. Ich hatte wohl in meinen Wendy-Wunschträumen einfach nicht daran gedacht, dass er sich überhaupt nicht nähern würde und ich mich auch nicht ihm nähern konnte, nachdem beim Abholen alles so erstaunlich gut geklappt hatte. Aber so wurde ich dann wenigstens auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Fotos konnten wir aber aus sicherer Entfernung von ihm machen.

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