Das Zisch-Geräusch ist einigen auch bekannt als der unliebsame Schreckmoment, der durch Versprühen von zahlreichen Sprays, wahlweise Fellglanz- oder Fliegenspray, hervorgerufen wird. Ein Hungerhaken ist in diesem Fall ein kleines Pferdekind, bei dem man jede Rippe einzeln zählen kann. So fand ich dann mein kleines Pferdekind ca. 6 Wochen nach seiner Ankunft auf der Pferdeweide etwas – na ja, sagen wir mal – unschön vor.

Hungerhaken

Ein dicker Bauch, aber sichtbare Rippen lassen im Pferdekenner ja zuerst einmal den Verdacht auf Wurmbefall keimen. Sicherlich auch nicht unüblich, wenn man sich nochmals vor dem inneren Auge verdeutlicht, dass der Kurgestütler ja völlig ungeimpft und unentwurmt und unerzogen seinen Umzug angetreten hat. Selbst wenn dies nicht der Fall gewesen wäre (was sich jetzt im Nachhinein nach 8 Jahren nur noch schwer beweisen lässt), sagt man natürlich nach wie vor, dass es für Jungpferde selbstverständlich keinesfalls von Vorteil ist, zu fett gefüttert zu werden. Schließlich belastet das den Bewegungsapparat, das noch nicht gereifte Skelett. Mein Pony hatte außerdem auch alle Zeit der Welt zum Wachsen. Er sollte gar nicht aufgefüttert werden, um muskulös und damit „fertig“ zu erscheinen. Mein Ziel war es einfach nur, dass er zufrieden und gesund aufwachsen kann. Deshalb gibt es hier sicherlich noch das ein oder andere Bild vom Hungerhaken Obi zu entdecken.

Jaehrling

Was natürlich nicht nur für den Hungerhaken, sondern auch für seine Weidegenossen ziemlich lästig war in dieser Zeit, waren die Fliegen. Überraschenderweise sind die sogar sehr gut auf den Fotos zu erkennen. Die Kleinen waren seinerzeit schon ziemlich geplagt. Also stand mein Entschluss fest, probeweise ein Fliegenspray in die Kinderstube mitzubringen. Da ich mich ja jetzt selbst nicht als Dummerchen bezeichnen möchte, gebe ich an dieser Stelle bekannt, dass ich mir zu keiner Sekunde – auch damals in meinem jugendlichen Leichtsinn nicht – erhoffte, dass das Fliegenspray auch nur irgendetwas gegen die Fliegenbelastung bringen würde. Es ging mir einfach ums Prinzip. Ich wollte, dass das Pferdekind was lernt, ohne zu wissen, dass es gerade was lernt. Im Nachhinein kann ich bestätigen, dass das teilweise eine sehr gute Methode war, meinem Pferdekind die Angst vor unbekannten Dingen zu nehmen und zwar ganz ohne Druck und Zwang. Und so hatte ich auch mit dem Fliegenspray ein nachhaltiges Ergebnis erzielt: Es stört den Kurgestütler bis heute nicht, wenn das Fliegen- oder Fellglanzspray oder sonst irgendein Spray zischt.

Fliegenspray

Interessant war natürlich, dass wir das Fliegenspray zuerst nicht auf die Pferde sprühten. Nein – wir sprühten es einfach in der Gegend herum und amüsierten uns prächtig! Was man damit erreicht? Die Neugier der Pferdekinder war geweckt. Sie beobachteten uns sehr genau. Als ich ihnen dann das Fläschchen von Nahem zeigte, waren alle völlig unbeeindruckt. So war es dann auch kein Wunder mehr, als sich ebenfalls keiner regte, als ich sie direkt damit ansprühte. Es gab für sie einfach keinen Grund für Angst oder gar Panik.

Fliegenplage

So hatte ich an diesem Tag nach meinem Besuch das Gefühl, dass ich wirklich ein ganz cooles Pferdekind hatte. Es hatte ja noch keiner irgendetwas mit ihm gemacht. Meine ersten Besuche bestanden einzig und allein in der Kontaktaufnahme. Dass er nach so kurzer Zeit bereits zutraulich wurde und sich neuen Dingen mit Neugier zuwandte, machte mich unglaublich stolz. Die Frage ist nur, ob dies auch in Zukunft (in diesem Fall in der Vergangenheit) so geblieben ist. Ich werde berichten.

Jungpferde

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